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      „Europa ist mehr als eine Achse zwischen Paris und Berlin“

      „Europa ist mehr als eine Achse zwischen Paris und Berlin“

      Europa muss mit einer Stimme sprechen – das war der Tenor eines Roundtables zum Thema „Finanzplatz Luxemburg/Finanzplatz Frankfurt : Partner oder Mitbewerber ?“, veranstaltet von Luxembourg for Finance, Frankfurt Main Finance und der Börsen-Zeitung am 14. Oktober in Frankfurt. Finanzminister Luc Frieden scheute in seiner Ansprache sensible Themen wie die kürzlich von der deutschen Regierung eingeführte Bankensteuer zur Finanzierung künftiger Krisenfälle genauso wenig wie Luxemburgs Haltung zum automatischen Informationsaustausch.

      In seiner Rede stellte Frieden eines sofort klar: Die Finanzplätze Luxemburg und Frankfurt sind keine Konkurrenten, sondern politische Freunde und Partner. Luxemburg sehe sich als internationaler Akteur nie als Konkurrent zu anderen, sondern als ergänzender Partner. Um nach der Krise wichtige regulatorische Maßnahmen voran zu bringen, müsse Europa zusammen arbeiten. „Ohne Europa können sich unsere Finanzplätze nicht entwickeln. Die Nationalstaaten können vieles nicht alleine bewältigen. Europa ist mehr als seine Achse zwischen Paris und Berlin“, so Frieden. In einer globalen Welt sei die Entwicklung der Finanzplätze schwierig. Daher hat Frieden auch Bedenken bei der Einführung einer einheitlichen europäischen Bankensteuer, wie sie in Deutschland im März dieses Jahres beschlossen worden ist. Die Eigenkapitalregel sei wichtiger für das Wohl der europäischen Wirtschaft als eine nationale Bankenabgabe. Das Beispiel Schweden zeige, dass Banken nach der Einführung einer Bankensteuer nach London abgewandert seien. Für Luxemburg käme die Einführung einer solchen Steuer kurzfristig nicht in Frage. Es sei wichtiger, dass die Banken ihre Aktivitäten weiter ausbauen und Arbeitsplätze schaffen. Frieden warnt vor Alleingängen einzelner europäischer Staaten: „Alle großen Finanzplätze in der Welt müssen eingebunden werden“.

      Gleiches Recht für alle

      Für den luxemburgischen Finanzplatz bestehe eine der Hauptaufgaben für die Zukunft darin, professionelle Arbeitnehmer nach Luxemburg zu holen. Die Einführung des Expatriat-Status, welcher ausländischen Spezialisten steuerliche Vorteile verschaffen und administrative Prozesse erleichtern soll, stehe momentan auf der Agenda des Finanzministeriums ganz oben. „Wir brauchen ein Umfeld, in dem gescheite Köpfe nicht in andere Länder Europas gehen“, so Frieden.

      Eine Öffnung der Grenzen fordert der Finanzminister aber nicht nur in den Köpfen der Arbeitgeber und der Politik, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene. Für den Export seien offene Grenzen zwingend notwendig, und Deutschland sei als europäischer Exportmeister ein gutes Beispiel dafür. „Die Kunden Europas müssen die Möglichkeit haben, über die Grenzen hinaus die besten Produkte für ihre Anlagen zu finden.“ Frieden betonte, dass neue Produkte Europa stärken und nicht schwächen müssen, so wie es der automatische Informationsaustausch tun würde. Er stellte klar, dass Luxemburg nur dagegen sei, das europäische Regelwerk zu ändern, wenn dieses Regelwerk nicht auch in anderen Ländern angewendet werde. Für den Finanzminister ist der Schutz der Privatsphäre ein wichtiges Gut in unserer Gesellschaft. Zudem praktiziere Luxemburg ja den Informationsaustausch auf Anfrage, wie von der OECD vorgesehen. „Wir müssen zusammen über die Entwicklung der Finanzplätze reden. Alleine ist man immer schwach, zusammen ist man viel stärker. Die private Zusammenarbeit muss es auch international und mit den Aufsichtsbehörden geben.“

      Kompetenz als Unterscheidungsmerkmal

      Auch die Teilnehmer des Roundtables, welcher von Bernd Wittkowski von der Börsenzeitung moderiert wurde, brachen eine Lanze für die Zusammenarbeit der europäischen Finanzplätze. Auf die Frage Wittkowskis, warum es trotz eines europäischen Binnenmarktes immer noch Wettbewerbsvor- und nachteile gäbe, antwortete Claude Kremer, Präsident der Luxemburger Fondsvereinigung Alfi: „Luxemburgs grenzüberschreitendes Fondsgeschäft ist erst 20 Jahre alt. Heute kommen wir zu einer Welt, wo die Regulierungen die gleichen sind. Aber das braucht seine Zeit. Eine gesunde Konkurrenz mit gleichen Regeln in den einzelnen Ländern ist sehr gut. Was die Finanzplätze in Zukunft unterscheiden wird, ist die Kompetenz“.

      Zu den Schwächen Luxemburgs zähle sicherlich die geringe Größe des Großherzogtums, so Kremer. Diese mache aber auch möglich, dass der Staat im ständigen Dialog mit der Privatindustrie sei und dementsprechend effiziente Gesetze geschaffen werden können.Der Präsident der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL, Ernst-Wilhelm Contzen, betonte zudem, dass Luxemburg auch ein Niedriglohnland für Kunden bleiben müsse, das es sonst an Wettbewerbsfähigkeit verlieren würde.

      Von der von Kremer beschriebenen politischen Intimität mit der Politik kann Thomas Neisse, Präsident des Bundesverbandes Investment und Asset Management BVI,schon alleine wegen der räumlichen Distanz zu Berlin nur träumen. Er wünsche sich mehr Dialog mit den Ministerien, um den Standort Frankfurt nach vorne zu bringen. Mit einer medialen Aufklärungskampagne startet er demnächst eine Offensive gegen das schlechte Image der Fondsindustrie in Deutschland.

      Gezielte Ausbildung zur Stärkung der Finanzplätze

      Was Frankfurt besonders attraktiv mache seien Stabilität und Internationalität, zwei Qualitäten, für die der Finanzplatz stehe, so Hubertus Väth,Leiter der Geschäftsstelle des Frankfurter Instituts fu?r Risikomanagement und Regulierung FIRM. Frankfurt beheimate fast doppelt so viele Auslandsbanken wie Luxemburg, zudem noch zwei Zentralbanken. Frankfurt sei außerdem der Ort, an dem die Liquidität des Euro sichergestellt worden sei. Die gezielte Ausbildung von Risikomanagern und Regulierern sei eines der Standbeine des deutschen Finanzplatzes, das weiter ausgebaut werden solle.

      Luxemburg und Frankfurt können noch voneinander lernen, indem sie ihre Geschäftsmodelle komplementärer aufeinander ausrichten und das Thema Ausbildung gemeinsam forcieren, so Wolfgang Köhler, Vorstandsmitglied der DZ Bank. Denkverbote in Deutschland müssen überwunden werden. Da Frankfurt sehr breit aufgestellt sei und Luxemburg seine Stärke in der Spezialisierung zeige, bieten sich zahlreiche Perspektiven für eine weitere Zusammenarbeit. Dabei soll das Thema Ausbildung in den Bereichen Risiokomanagement und ökonomisch intelligente Regulierung eine tragende Rolle spielen. EK