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      Mit Anzug und Krawatte Ökoprojekte bewerben

      Mit Anzug und Krawatte Ökoprojekte bewerben

      Die luxemburgische NGO etika hat zusammen mit der Spuerkess ein „Alternatives Sparkonto“ aufgelegt, welches Investoren in Luxemburg die Möglichkeit zu sozialen Investments bietet.

      Ekkehart Schmidt-Fink, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei etika, über die Anfangssschwierigkeiten einer NGO in Luxemburg und Möglichkeiten des Social Responsible Investments.

      Mit welchem Ziel ist etika gegründet worden?

      Etika ist 1996 als NGO gegründet worden mit dem Ziel einer Sensibilisierung der Finanzwelt, dass auch ein ethisches Investment möglich ist, d.h. Investitionen mit einer sozialen und finanziellen Rendite. Uns ging es darum zu zeigen, dass ethische Investments nicht nur eine Idee sind. Deswegen haben wir zusammen mit der Spuerkess ein Produkt entwickelt, das so genannte “Alternative Sparkonto”.

      Das ist ein ganz normales Sparkonto, allerdings mit dem Unterschied, dass die Sparer auf 0.2% ihrer Zinsen verzichten. Im Gegenzug bekommen sie transparente Einblicke in ihre Geldvorgänge und die Sicherheit, dass ihr angelegtes Geld nur in soziale und ökologische Projekte investiert wird. Der Grundgedanke war, dass man als Sparer Informationen darüber erhält, was mit dem Geld passiert.

      Was geschieht mit den Zinsen?

      Mit dem Spargeld vergeben wir Kredite an Projekte in Luxemburg, bei denen bestimmte Kriterien eingehalten werden. Kredite werden mit einem 0.7 % geringeren Kreditzinssatz als üblich vergeben. Damit fördern wir Projekte im Bereich Bio-Landwirtschaft, soziale Eingliederung von Arbeitslosen, Verbesserung der Situation des ländlichen Raumes, bis hin zu Entwicklungshilfeprojekten. Bisher haben wir 140 Projekte gefördert.

      Unsere Hauptaufgabe bleibt aber Öffentlichkeitsarbeit im Hinblick auf mehr Ethik in der Finanz. Zu diesem Thema kommt seit 2-3 Jahren sehr viel Nachfrage, weil sich jetzt auch die Finanzwelt darüber interessiert. Vorher war das eher ein Randthema.

      Ist das „Alternative Sparkonto“ Ihr einziges Produkt?

      Ja, das Sparkonto ist unser einziges Produkt. 2007 und 2009 haben wir noch einen Investmentführer aufgelegt, in dem wir Investmentfonds unter der Fragestellung untersucht haben, ob die so genannten grünen Anlagen tatsächlich grün sind oder es sich um ein green-washing handelt. Wir haben 200 Investmentfonds ausgewählt, von denen 100 nach Uno-Kriterien mit Sicherheit grün sind.

      Ist auch ein Label für ethische Fonds angedacht?

      Wir sind in einer Working Group der ALFI zum Thema Social Responsible Investments seit Jahren an der Entwicklung solcher Ideen beteiligt und arbeiten auch mit Luxflag zusammen. Es soll ein Nebenlabel zu Social Responsible Investments geben, welches Ende des Jahres als festes Label realisiert werden soll. Der Nachteil ist, dass dieses Label zwar Auskunft über die Art des Investments gibt, aber nicht über die Qualität.

      War es schwierig für etika, im Finanzsektor Fuß zu fassen?

      Etika ist von Vereinen gegründet worden, die fern der Finanzwelt waren, z.B. Caritas, Demeter und Stiftung Ökofonds. Mit Marc Elvinger hatten wir eine Gründungsperson, die viele Verbindungen zur Finanzwelt hat. Aber es ist ein längerer Weg gewesen, Ernst genommen zu werden. Es hat Vorurteile auf beiden Seiten gegeben. Man kann auch mit Anzug und Krawatte Ökoprojekte bewerben, Projekte in Deutschland und Belgien haben das vorgemacht. Es ist ein beidseitiger Prozess der Annäherung.

      Haben sie als NGO Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren bekommen?

      Während der Finanzkrise haben wir einen großen Zulauf und mehr Aufmerksamkeit bekommen. Dadurch wurden wir ernster genommen, wenn wir uns zu Wort gemeldet haben.

      Dennoch kann unsere Arbeit nur zu einem Sensibilisierungsprozess beitragen, die klassische Brille abzusetzen und eine andere Brille aufzusetzen. Es gibt auch noch andere Investitionen, die interessant sind, und mit denen man auch Renditen erzielen kann.

      Durch den momentanen Boom hat die Thematik eine eigene Dynamik bekommen. Durch den weltweiten Klimawandel und die gesteigerte Aufmerksamkeit ziehen auch die Rendite an.

      Zur Zeit besteht sogar das Problem, dass die Nachfrage nach grünen Produkten zu hoch ist. künstliche Produkte werden s aus der Dynamik des Marktes heraus schnell konstruiert, so dass nicht genug Angebot da, um die Nachfrage zu befriedigen.

       

      www.etika.lu

      www.financialforum.lu