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      Sieben Fragen zum Finanzplatz Luxemburg

      Sieben Fragen zum Finanzplatz Luxemburg

      Anlässlich eines Roundtables von portfolio plattform in Luxemburg zum Thema "Alternatives aus Luxemburg: Richtige Alternative zu deutschen Vehikeln?", beantwortet Fernand Grulms, CEO von Luxembourg for Finance, sieben Fragen zum Finanzplatz.

      Welche Rolle spielt der Finanzsektor für die Luxemburger Wirtschaft?

      Anders als in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, ist die Finanzindustrie nicht das einzige Standbein der Luxemburger Wirtschaft. Der Finanzsektor erwirtschaftet etwa 26 Prozent des Luxemburger BIPs. Mittlerweile haben sich hier neben den 144 Banken etwa 1.000 Finanzdienstleister niedergelassen. Diese stellen neben den Finanzinstitutionen den Großteil des Sektors dar. Der Finanzsektor erwirtschaftet 15 Milliarden Euro im Jahr, die letzten Endes der Luxemburger Wirtschaft zukommen. Außerdem finden 80.000 Fachkräfte von etwa 350.000 Arbeitnehmern insgesamt in Luxemburg einen Arbeitsplatz in diesem Sektor.

      Welches sind die wichtigsten Geschäftsfelder des Finanzplatzes?

      In den 70er Jahren war das Firmenkundengeschäft das erste Geschäftsfeld des Finanzplatzes. Mittlerweile hat sich der Schwerpunkt verlagert. Mit der Öffnung des europäischen Binnenmarkts haben sich Möglichkeiten ergeben, die zu Beginn der Geschichte des Finanzplatzes in diesem Ausmaß noch nicht vorstellbar waren. Der Finanzplatz wird mittlerweile von drei Hauptpfeilern gestüttzt: das Privatkundengeschäft, Investmentfonds und Versicherungen. Der Finanzplatz Luxemburg ist das größte Private-Banking-Zentrum der Eurozone und das größte Investmentfondszentrum Europas. Zudem sind hier im europäischen Vergleich die meisten Rückversicherer domiziliert.

      Sie haben eben gesagt, dass das Privatkundengeschäft und die Fondsindustrie die wichtigsten Pfeiler sind. Haben diese beiden Bereiche noch Entwicklungspotenzial?

      Das Privatkundengeschäft ist stark im Wandel. Die neuen Kunden sind heute vornehmlich international agierende Unternehmer, die ihre Angelegenheiten, sei es geschäftlicher oder privater Natur, professionell von einem Private Banker oder einem Family Office regeln lassen. Diese neuen Kunden gilt es, mit individuellen Lösungen zu überzeugen. Bei Themen wie Nachfahrenregelung oder Vermögensverwaltung in einer Stiftung sehe ich noch großes Potenzial. Die Luxemburger Fondsindustrie ist, anders als das Privatkundengeschäft, schon weltweit etabliert. Hier sind etwa die Ucits-Produkte zu nennen, welche in kurzer Zeit zu einem internationalen Markennamen geworden sind. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss der Finanzplatz sich außerdem geografisch diversifizieren. Wir konzentrieren uns in erster Linie auf den gesamteuropäischen Markt, aber auch zunehmend auf asiatische, arabische und südamerikanische Schwellenländer.

      Ist der Finanzplatz attraktiv genug für neue Akteure?

      Der Finanzplatz ist weiterhin attraktiv für Finanzinstitutionen. Um nur drei Beispiele zu nennen: Die ICBC, die International and Commercial Bank of China, hat vergangenes Jahr Luxemburg als Standort für ihren europäischen Hub gewählt. Die gleiche Entscheidung hat kürzlich auch die deutsche DZ Bank getroffen. Erst im Juni hat die Qatar National Bank beschlossen, eine Tochtergesellschaft in Luxemburg zu gründen. Das Hauptproblem ist jedoch, Europa als solches glaubhaft in den Schwellenländern darzustellen. Wir haben uns immer als Hub für Europa verkauft. Allerdings steckt Europa augenblicklich in einer Krise, was sich natürlich auch auf das Image der europäischen Finanzplätze insgesamt auswirkt. Unsere größte Herausforderung besteht also darin, Luxemburg als globalen Hub darzustellen.

      Was sind die wichtigsten Standortvorteile des Luxemburger Finanzplatzes aus Ihrer Sicht?

      Der wichtigste Standortvorteil ist das Vertrauen unserer Kunden in die Expertise der hiesigen Akteure, welches auch während der Finanzkrise nicht verloren gegangen ist. Dazu kommen natürlich noch Faktoren wie die Stabilität der Luxemburger Wirtschaft – was gerade jetzt im Hinblick auf die Schwierigkeiten einiger EU-Haushalte eine immer wichtigere Rolle spielt. Die Berechenbarkeit des politischen Umfeldes ist ein wichtiger Standortfaktor. Zudem garantieren Aufsichtsbehörden einen Ablauf der Geschäfte innerhalb der internationalen Normen, was ebenso zum guten Ruf des Finanzplatzes beiträgt.

      Wie wird der Finanzplatz in zehn Jahren aussehen?

      Wir müssen uns diversifizieren, so viel ist klar. Das gilt auch für andere Finanzplätze. Die Konkurrenz nimmt immer weiter zu, was zum einen an den Entfernungen liegt, die heute keine mehr sind, als auch an den sich angleichenden Regulierungsmaßnahmen. Letzteres unterstützt Luxemburg mit Nachdruck. Vergangenes Jahr haben wir ein Fünf-Säulen-Prinzip erarbeitet, das uns weiterhin auf sicherem Pfad in die Zukunft leiten soll. Der Finanzplatz wird zukünftig seine Aktivitäten in den Bereichen Wealth Management, Vermögensverwaltung und Investmentfonds, internationale Kredite, Versicherungen und strukturierte Finanzprodukte ausbauen. Wenn wir dieses Ziel mit Nachdruck verfolgen, sehe ich eine positive Zukunft für den Finanzplatz.

      Welches sind die Herausforderungen für den Finanzplatz Luxemburg?

      Es gilt vor allen Dingen, weiterhin Talente aus dem Ausland anzuziehen und zu fördern. Luxemburg ist ja mit seinen niedrigen Lohnsteuern und Lohnnebenkosten ein attraktiver Arbeitsplatz sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber. Das lokale Luxemburger Arbeitsreservoir ist jedoch zu klein für die steigenden Bedürfnisse der hiesigen Akteure, besonders wenn es um spezialisierte Tätigkeiten geht. Aber da bin ich ganz zuversichtlich, dass Luxemburg als Arbeitsplatz attraktiv bleibt, nicht zuletzt wegen der hohen Lebensqualität in unserem Land. Eine größere Herausforderung sehe ich in der Bündelung von Tätigkeiten, die nicht strategisch sind, wie Reporting oder Compliance. Hier ziehen wir noch nicht genügend an einem Strang, um die Kosten zu senken.