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      Vermögensverwaltung: Weg von der Gelddruckmaschine, hin zum "all in"

      Vermögensverwaltung: Weg von der Gelddruckmaschine, hin zum "all in"

      Die klassische Vermögensverwaltung wird auch in Zukunft weiter wachsen können, doch wird sie dafür sehr viel flexibler als bisher auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen müssen. Die Tendenz gehe klar in Richtung „total return“ anstelle des in der Vergangenheit verbreiteten Benchmarkings bei der Anlagestrategie, so das Fazit einer Expertenrunde über die Zukunft des Privatkundengeschäfts.

      “Ist die klassische Vermögensverwaltung ein Auslaufmodell?” war die Frage, die Luxembourg for Finance dem Rundtischgespräch voranstellte, zu dem die Agentur zur Förderung des Finanzplatzes in Zusammenarbeit mit Frankfurt Main Finance e.V. und der Börsen-Zeitung nach Frankfurt eingeladen hatte. An der von Bernd Wittkowski, Mitglied der Chefredaktion der Börsen-Zeitung, moderierten Diskussion beteiligten sich ausgewiesene Fachleute des luxemburgischen Bankenszene: Luc Rodesch, Präsident der Private Banking Group der Luxemburger Bankenvereinigung, Falk Fischer, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank International, Christian Funke, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutsche Bank Luxembourg, und Andreas Neugebauer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DZ Privatbank, Luxemburg.

      Die Finanzkrise stellt die Vermögensverwalter vor große Herausforderungen. Ihre Kunden sind deutlich anspruchsvoller geworden, dank nicht zuletzt der Vielzahl der online angebotenen Finanzinformationen sind sie heute wesentlich besser informiert und spielen eine sehr viel aktivere Rolle bei ihren Investitionen.

      Dennoch berichten Panelteilnehmer von anhaltender, ja sogar steigender Nachfrage nach Dienstleistungen der Vermögensverwalter. Allerdings werde die klassische Herangehensweise – das Vereinbaren einer Benchmark und einer Anlagestrategie mit dem Kunden – immer weniger geschätzt. Der Vermögenserhalt sei dem Kunden heute wesentlich wichtiger als die Vermögensmehrung. Der Kunde sei risikoaverser und vorsichtiger geworden.

      Um die Risikoaffinität ihrer Kunden genauer ausloten zu können, seien intensivere Gespräche erfordert, und zwar über den gesamten Zeitraum der Kundenbeziehung, damit die Anlagepolitik eventuell neu ausgerichtet werden kann. Nur so lasse sich das für eine langfristige Geschäftsbeziehung erforderliche Kundenvertrauen aufbauen.

      Dies hat offensichtlich in der rezenten Vergangenheit etwas gelitten. Nur noch 18% der Kundenvermögen werden heute im Rahmen von Verwaltungsmandaten betreut, mit weiter fallender Tendenz, sagt Luc Rodesch. Als Grund dafür nennt er in erster Linie die mangelhafte, nach Inflation häufig gar negative Performance, die manche Vermögensverwalter erwirtschafteten, sowie den Einsatz komplexer Produkte, die nicht immer positive Auswirkungen gehabt hätten.

      Gute Beratung sei nicht unbedingt eine Kapazitätsfrage, meint Falk Fischer. In der Vergangenheit seien Beratungsgespräche häufig nichts anderes gewesen als Verkaufsgespräche, bei denen dem Kunden komplexe hauseigene Produkte angedreht wurden. Private Equity oder Hedgefonds aber hätten in einer Vermögensverwaltung nichts zu suchen. Eine gute Vermögensverwaltung zeichne sich durch Einfachheit und Transparenz aus.

      Künftig müsse bei der Anlageberatung das Risikoverständnis des Kunden im Mittelpunkt stehen, nicht die Rendite. Auch die Liquidität der Investments müsse gewährleistet sein. Beim Preismodell gehe der Trend in Richtung “all in”, ohne Transaktionsgebühren, also “weg von der Gelddruckmaschine” hin zu einem klar definierten Leistungsangebot, für das der Kunde dann auch einen im voraus festgesetzten Preis zu zahlen bereit sei. (jp.)