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      Vertrauen ist alles

      Vertrauen ist alles

      „Die Zeit des schwarzen Geldes ist vorbei“, so Ernst-Wilhelm Contzen, der hundert Tage nach seiner Wahl zum Präsidenten der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL ein Fazit über seine bisherige Tätigkeit gezogen hat. Zusammen mit dem Direktor der ABBL, Jean-Jacques Rommes, hat Contzen zu einer Pressekonferenz geladen.

      Für die Zeit seiner Präsidentschaft hat sich der passionierte Deutsche viel vorgenommen. Zu seinen wichtigsten Zielen gehört, das Vertrauen in den Finanzplatz Luxemburg und in seine Produkte wieder aufzubauen. Dies könne nur über eine funktionierende Kommunikation im In- und Ausland funktionieren.

      Nicht nur Kunden seien durch die Finanzkrise verunsichert worden, auch unter den Finanzakteuren selber müsse neues Vertrauen aufgebaut werden. „United we stand, divided we fall“, dieses Zitat aus der Antrittsrede Contzens markiert das Motto seiner Amtsperiode.  “Nur gemeinsam können wir eine erfolgreiche Zukunft des Finanzplatzes zustande bringen. Jeder von uns ist hier gefragt”.

      Appell an die Öffentlichkeitsarbeit

      Um sich als Finanzplatz weiterhin zu behaupten, müssen die Akteure desselben einander kennenlernen, um gemeinsame Ziele zu definieren und zu verfolgen. Contzen und Rommes selbst tragen aktiv dazu bei, indem sie bisher schon dutzende Banker und Regierungsvertreter getroffen haben. Nur über das Gespräch können alle Beteiligten aktiv zusammen arbeiten, Visionen entwickeln und realisieren. “Wir müssen nach innen und nach außen gemeinsam mit einer Strategie kommunizieren. Wir müssen lernen, die gleiche Sprache zu sprechen”, so Contzen.

      Respektierung der Privatsphäre

      Eine gute Reputation werde dem Finanzplatzes helfen, sich gegenüber Konkurrenten wie Zürich, Genf, Paris und London zu behaupten. Konkret heißt das, dass der Schutz der Privatsphäre gegeben sein muss, es also keinen automatischen Informationsaustausch geben darf.

      Doch die Vorteile Luxemburgs, geringe Lohnnebenkosten und ein funktionierendes Sozialsystem, können nur durch Kostenreduktion und eine aktive Steuerpolitik erhalten bleiben.

      Luxemburg muss billiger werden

      Zwar gingen zur Zeit Arbeitsplätze aufgrund von Fusionen, dem Verkauf von Geschäftsfeldern von Banken und teilweise auch durch rückläufiges Volumen verloren. Am meisten seien diejenigen Arbeitsplätze gefährdet, die am wenigsten qualifiziert und in anderen Ländern kostengünstiger sind. Auch die Auswirkungen der Indexierung und ein zu teurer Tarifvertrag hätten dazu beigetragen, dass die so genannten „niedrigen Tätigkeiten“ zu teuer für Luxemburg geworden seien. Contzen stellt jedoch auch fest, dass hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Großregion schwer zu finden sind.

      Globalisierung bedeutet Wettbewerb über die Grenzen hinaus

      „Wir können nicht mehr die Preise diktieren. Der Wettbewerb diktiert die Preise“, so Contzen. Der Finanzplatz muss sich in neuen Nischen, wie der Bündelung internationaler Kredite und der Verwaltung von Pensionsfonds positionieren. Der „war of talents“ werde auch in Luxemburg ausgefochten. „Wenn die Talente nicht nach Luxemburg kommen, kann der Finanzplatz nicht mehr existieren“. Damit meint Contzen auch, dass Know-how, welches national nicht vorhanden ist, eingekauft werden müsse.

      Fortbildung als Baustein für einen erfolgreichen Finanzplatz

      Neben einer durchdachten Kommunikationsstrategie spiele die Fortbildung unter den Arbeitnehmern eine wichtige Rolle. Contzen: „Die Kunden müssen glauben, dass sie mit einem redlichen Banker sprechen und transparente Produkte angeboten bekommen, die der Kunde versteht.“ Außerdem müsse der Kunde einen Nutzen aus dem Produkt haben. „Die Zeit des schwarzen Geldes ist vorbei“, so Contzen. Luxemburg könne nur mit einer Nulltoleranz im Bereich reputational riskwettbewerbsfähig bleiben.

      Neben einer anständigen Gesetzgebung sei Planungssicherheit am wichtigsten. Luxemburg verfügt über ein umfassendes professionelles Netzwerk, welches alle Bereiche der Finanzindustrie abdeckt. Doch ohne ständige Fortbildungen der Arbeitnehmer könne der Finanzplatz seine hohen Ansprüche nicht halten. „Wir müssen alle zum Unterricht. Wir müssen uns alle aus- und weiterbilden“, so Contzen. Luxemburg könne als internationales Finanzzentrum nur konkurrieren, wenn erstklassig ausgebildete Leute einen erstklassigen Service bieten können.

      Auch die Presse muss die Schulbank drücken

      Zuletzt wendete sich Contzen an die nationalen Medien. „Eine Finanzpresse muss auf Augenhöhe mit der Finanzindustrie sein“. Für Contzen heißt das konkret, dass die Verleger in der Pflicht sind, ihre Angestellte anständig zu bezahlen und auszubilden. Der Finanzplatz habe eine Bringschuld gegenüber den Medien, aber die Presse auch eine Holschuld gegenüber dem Finanzplatz, indem sie kritische Fragen stellt.

      Auch der Bevölkerung müsse klargemacht werden, dass die Finanzindustrie mit einem Anteil von 29% zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Davon hängen zahlreiche andere Berufszweige ab. Auch hier sei es Aufgabe der Presse, die der Bevölkerung zu verdeutlichen. EK