Luxemburg ist Gründungsmitglied der EU und leidenschaftlicher Förderer der europäischen Integration. Die Finanzdienstleistungsbranche des Landes hat sich seit jeher stark auf grenzübergreifende Geschäfte konzentriert und ist damit der Inbegriff eines europäischen Finanzplatzes. Luxemburg verbindet Finanzinstitute und Investoren, seien es Privatanleger oder institutionelle Anleger, mit europäischen und internationalen Märkten.

FINANZIERUNG EINER STÄRKEREN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFT

Der grundlegende Zweck des Finanzsektors besteht darin, das Wirtschaftswachstum zu finanzieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Dies trat in der aktuellen Krise besonders deutlich hervor. Die Finanzindustrie wird bei der Erholung unserer Volkswirtschaften von den Folgen der Lockdowns eine wesentliche Rolle spielen. Bankkredite an Unternehmen stellen ihnen Betriebskapital zur Verfügung und finanzieren wichtige Investitionsprojekte: neue Maschinen, Anlagen oder Forschungseinrichtungen. Die Banken sorgen ferner für sichere und reibungslose Transaktionen zwischen Unternehmen und ihren Kunden sowie Anbietern.

Investmentfonds tragen über die Kapitalmärkte und Investitionen in Aktien oder Anleihen nichtfinanzieller Unternehmen ebenfalls zur Finanzierung der Wirtschaftsaktivitäten bei. Versicherungsunternehmen unterstützen die Wirtschaftsaktivitäten, indem sie es Unternehmen ermöglichen, ihre Risiken abzusichern und die gesammelten Prämien zu investieren. All diese vielfältigen Aktivitäten und das damit verbundene Know-how in Finanzplätzen wie Luxemburg kommen der gesamten europäischen Wirtschaft zugute. Im Falle Luxemburgs wird das von der lokalen Fondsindustrie verwaltete Vermögen (4,4 Billionen EUR, Stand April 2020) in Aktien und Anleihen von Unternehmen in ganz Europa sowie weltweit investiert.

Damit werden die Expansion und die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt. Ein erheblicher Teil dieser Vermögenswerte wird auch in Staatsschulden investiert, um alle Arten öffentlicher Infrastruktur (Straßen, Brücken, Krankenhäuser, Schulen und Sozialsysteme) zu finanzieren.

Der Vermögensverwaltungssektor hilft auch bei der Finanzierung der Wirtschaftstätigkeit, indem er Kunden hilft, ihr Geld in Aktien und Anleihen europäischer und globaler Unternehmen zu investieren. Als führendes Zentrum für alternative Investmentfonds spielt Luxemburg eine wichtige Rolle im Bereich realer Vermögenswerte (Infrastruktur) oder Private Equity. Es stellt dringend benötigtes Wachstumskapital für nicht börsennotierte Unternehmen zur Verfügung.

Der Binnenmarkt ist zweifelsohne eine der größten Errungenschaften der EU. Der freie Verkehr von Menschen, Gütern, Dienstleistungen und Kapital erwies sich als Vorteil für alle. Die immense Größe und der Umfang des Marktes ermöglichten den Unternehmen Wachstum. Sie konnten dadurch eine wesentlich größere Anzahl von Kunden erreichen. Ein Großteil des geopolitischen Einflusses der EU beruht auf der Wirtschaftskraft, die der Binnenmarkt bietet. Es ist wichtig, der Vertiefung dieses Marktes weiterhin Priorität einzuräumen.

Um das Wachstum anzukurbeln und die Schaffung von Arbeitsplätzen nach der Pandemie zu fördern, muss das Finanzwissen, das die verschiedenen Finanzplätze Europas bieten können, umfassend genutzt werden.

Starke Finanzplätze in Europa und eine starke europäische Finanzindustrie werden es Europa auch ermöglichen, die anderen Herausforderungen anzunehmen, denen wir vor der aktuellen Krise gegenüberstanden und denen wir uns weiterhin stellen werden (z. B. die zunehmende Konkurrenz aus den USA und Asien oder die Vergreisung unserer Bevölkerung).

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AUFBAUEN AUF GRUNDLAGE DES GRENZÜBERGREIFENDEN REGULIERUNGSRAHMEN DER EU

Der EU-Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen gehört sicherlich zu den integriertesten grenzübergreifenden Märkten der Welt. Die Binnenmarktgesetzgebung erleichtert die grenzübergreifende Bereitstellung von Finanzdienstleistungen, indem sie eine Regulierung auf EU-Ebene oder die gegenseitige Anerkennung von Regeln und Standards ermöglicht. Diese beispiellose Wirtschafts- und Regulierungsintegration begünstigt im Zuge der weltweiten Finanzkrise den Weg zu einer Bankenunion. Die derzeitige Krise erfordert im Gegensatz zur weltweiten Finanzkrise für die Korrektur des Funktionierens von Finanzaktivitäten keine radikalen Regulierungsinitiativen. Sie könnte jedoch durchaus zusätzliche Hindernisse im Regulierungsbereich mit sich bringen, um das Potenzial des EU-Binnenmarkts noch weiter ausschöpfen zu können.

Gleichzeitig werden der Binnenmarkt und insbesondere die Möglichkeit für Passport- Dienstleistungen im gesamten EU-Raum durch eine fachkundige Aufsicht vor Ort und auf Grundlage harmonisierter Vorschriften und einer engen Zusammenarbeit zwischen den nationalen Regulierungsbehörden unterstützt. Im Fall von Luxemburg verfügt die CSSF, die unter anderem über 3.800 Investmentfonds betreut, über langjähriges Know-how in der Regulierung grenzübergreifender Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen. Sie bietet eine effiziente und reaktionsschnelle Betreuung der Industrie vor Ort.

In Zukunft wird die EU versuchen, die von der Juncker-Kommission ins Leben gerufenen Ziele der Kapitalmarktunion (KMU) zu erreichen, zu deren Umsetzung sich die Kommission von der Leyen verpflichtet hat. Insbesondere sollte die Kommission darauf abzielen,  renzübergreifende Finanzdienstleistungen EU-intern mehr zu fördern, in dem sie insbesondere nicht-tarifäre Hürden abbaut. Eines der erklärten Ziele der KMU ist die Erhöhung der Marktfinanzierungsquellen für europäische Unternehmen (insbesondere Klein und mittelständische Unternehmen).
Angesichts seiner Kapitalmarktstärken und des Know-hows im Bereich grenzübergreifender Kapitalbeschaffung freut sich Luxemburg darauf, in diesem Rahmen eine führende Rolle einzunehmen.

Die Umsetzung der KMU ist für die EU jetzt noch dringlicher geworden, um damit die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie beschleunigen zu können. Eine vollwertige KMU könnte beim Wiederaufbau der EU-Wirtschaft durch Bereitstellung neuer  inanzierungsquellen für Unternehmen und Investitionsmöglichkeiten für Europäer Unterstützung bieten. Es würde auch dringend benötigte langfristige Investitionen in neue Technologien und Infrastrukturen mobilisieren, den Klimawandel bekämpfen und zur Umsetzung des New Green Deal und der digitalen Agenda der EU beitragen. Am 10. Juni 2020 veröffentlichte das EU-High Level Forum (HLF) zur KMU seinen Abschlussbericht mit einer Reihe von Empfehlungen, um das Projekt voranzutreiben.

Das HLF schlug 17 miteinander verbundene „Game Changer“ vor – Maßnahmen, die die EU zwecks Beseitigung der größten Kapitalmarkthindernisse dringend implementieren muss. Diese Empfehlungen umfassten: einen einzigen EU-Kapitalmarktzugangspunkt; langfristige Investmentfonds; Ermutigung der Versicherer mehr Kapitalmarktfinanzierung bereitzustellen; Ausweitung des EU-Verbriefungsmarktes sowie Empfehlungen zu Crypto Assets, digitalen Assets und Tokenisierung. Die Kommission wird im Herbst 2020 ihren nächsten KMU-Aktionsplan vorlegen.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass ein gut funktionierender Binnenmarkt und eine Kapitalmarktunion nicht unbedingt zu einer stärkeren Zentralisierung der Regulierungsbefugnisse führen müssen. Europa muss das jeweilige Know-how und die Talentpools seiner verschiedenen Finanzplätze, das Fachwissen und die Marktkenntnisse der lokalen Aufsichtsbehörden voll ausschöpfen. Die effiziente Zusammenarbeit zwischen den Regulierungsbehörden wird der Schlüssel zur Ausschöpfung des Potenzials der KMU bleiben.

Mit dem Entstehen neuer Unternehmen im Bereich der Finanztechnologie wurde auch deutlich, dass der Binnenmarkt nur in den Bereichen sein Potential voll ausschöpfen konnten, in denen es der EU gelungen ist, einen harmonisierten Rahmen zu schaffen. Dieser ermöglichte den Unternehmen einen reibungslosen Verkauf ihrer Dienstleistungen an die 450 Millionen Verbraucher in der EU. Tatsächlich verwundert es nicht, dass von den fünf FinTech Einhörner in Europa drei Zahlungsunternehmen sind, während die anderen beiden reine Mobile-only-Banken sind (beide begannen mit der Bereitstellung von Zahlungskonten). Die laufenden Anstrengungen der EU zur Schaffung eines harmonisierten Rahmens für digitale Finanzdienstleistungen bieten die Gelegenheit, diesen Sektor in Europa über die nationalen Märkte hinaus zu vergrößern. Wie beim OGAW-Markt könnte die EU damit weltweit erfolgreiche Finanzprodukte schaffen.



Die laufenden Anstrengungen der EU zur Schaffung eines harmonisierten Rahmens für digitale Finanzdienstleistungen bieten die Gelegenheit, diesen Sektor in Europa über die nationalen Märkte hinaus zu vergrößern. Wie beim OGAW-Markt könnte die EU damit weltweit erfolgreiche Finanzprodukte schaffen.



Das Projekt der Kapitalmarktunion spiegelt sich im laufenden Aufbau des digitalen EU-Binnenmarkts wider. Die Lockdown-Periode hat die Notwendigkeit verbesserter Technologien deutlich gemacht. Viele Aspekte der Digitalisierung haben in diesem Zusammenhang einen erheblichen Schub bekommen (z.B. Tools für Videokonferenzen oder kontaktlose Zahlungen). Kontaktlose Zahlungen haben durch die Pandemie einen exponentiellen Schub erhalten. Transaktionen am Geldautomaten sind zurückgegangen.

Technologiedienstleistungen sind von Natur aus grenzenlos. Das Vorhandensein EU-weiter Rahmenbedingungen für den elektronischen Handel und die Bereitstellung digitaler Dienste machen sich die Kernkompetenzen des Finanzplatzes Luxemburg und seines Dienstleistungsangebots in mehreren Gerichtsbarkeiten zu Nutze. Luxemburg ist der ideale Standort für solche grenzübergreifenden Dienstleistungen in der EU.

Angesichts einer vergreisenden europäischen Bevölkerung und einer wachsenden Rentenlücke werden Investitionen in diesen Bereich und die Verfügbarkeit von Rentenprodukten immer wichtiger. Die führende Rolle in der europäischen Fondsindustrie bietet Luxemburg eine ausgesprochen gute Position, um ein wichtiger Knotenpunkt für Produkte zu werden, die im Rahmen der Europa-Renten- Initiative entwickelt wurden. Mit dieser zentralen Chance kann unser Ökosystem für Vermögensverwaltung weiter verstärkt und diversifiziert werden.

STÄRKUNG UNSERER ROLLE ALS EUZENTRUM

Neben den Vorteilen für europäische Verbraucher und Unternehmen liegt ein wesentlicher Vorteil des Binnenmarkts in der Tatsache, dass er Nicht-EU Unternehmen die Etablierung auf dem Binnenmarkt erleichtert. Sie können damit Kunden in den 27 Mitgliedstaaten bedienen, ohne dass getrennte Operationen in jedem einzelnen Land erforderlich sind.

Auf der Grundlage eines kohärenten und genau definierten Regulierungsrahmens können Finanzinstitute entscheiden, wo sie ihr europäisches Zentrum einrichten möchten, mit dem sie den gesamten EU-Markt bedienen. Die Wahl der Gerichtsbarkeit wird normalerweise von zahlreichen Überlegungen bestimmt, einschließlich der relativen Stärken des lokalen Ökosystems im jeweiligen Industriesegment, strukturellen Kriterien (Finanzstabilität und Vorhersehbarkeit des rechtlichen und steuerlichen Umfelds) oder der Verfügbarkeit von Talenten.

Die Qualität der Infrastruktur wird für neue Unternehmen nach der Coronakrise ein weiteres wichtiges Kriterium sein – insbesondere der Bedarf an einer stabilen und belastungsfähigen digitalen Infrastruktur. Luxemburg wird bei all diesen Kriterien sicherlich extrem gut abschneiden. Das beweist die Tatsache, dass bereits vor der Krise mehrere Länder und internationale Organisationen digitale Botschaften aufgebaut haben, um ihre Daten sicher zu speichern bzw. dass Staatsfonds Business Continuity Center in Luxemburg eingerichtet haben.

Luxemburg wird weiterhin in der Lage sein, sein internationales Geschäftsumfeld und seine hochqualifizierte und mehrsprachige Erwerbsbevölkerung voll auszuschöpfen, um damit internationale Finanzinstitutionen zu bedienen, die in mehreren EU-Märkten aktiv sind. Ein kürzlich durchgeführter Live-Test zur Attraktivität Luxemburgs als EU-Zentrum für Finanzdienstleistungen ergab, dass im Rahmen des Brexits über 60 Finanzunternehmen beschlossen haben, entweder ihre bestehenden Aktivitäten zu verstärken oder ein neues EU-Zentrum in Luxemburg einzurichten, um den kontinuierlichen Zugang zum EU-Binnenmarkt zu gewährleisten.



Im Rahmen des Brexits haben über 60 Finanzunternehmen beschlossen, entweder ihre bestehenden Aktivitäten zu verstärken oder ein neues EU-Zentrum in Luxemburg einzurichten, um den kontinuierlichen Zugang zum EU-Binnenmarkt zu gewährleisten.



Die weltweiten Sovereign Wealth Funds stützen sich ebenfalls auf das Know-how des einzigartigen luxemburgischen Ökosystems sowie auf seine hochentwickelte Toolbox zur Strukturierung von Investitionen. Gleiches gilt für große internationale und regionale Entwicklungsbanken. Da diese Institute aufgrund ihres souveränen oder überstaatlichen Status Steuerfreiheit genießen, haben sie sich nicht aufgrund von Steuervorteilen im Großherzogtum niedergelassen, sondern wegen der inhärenten Qualitäten des Finanzplatzes Luxemburg.

In den kommenden fünf Jahren werden wir unsere Anstrengungen verdoppeln, um die Anzahl und geografische Vielfalt der in Luxemburg ansässigen Unternehmen zu erhöhen. Dazu gehören auch Finanzinstitute aus einigen vorrangigen Schwellenländern, die Luxemburg als Plattform für die Vernetzung zu europäischen und globalen Investoren nutzen möchten.

AMBITION STATEMENT :

Luxemburgs Ziel ist es, seine Rolle als grenzübergreifendes Kompetenzzentrum und EU-Zentrum weiter auszubauen, damit bis 2025 folgende Ziele erreicht werden:

  • Einen Beitrag
    zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zu nachhaltigem Wachstum im In- und Ausland leisten
  • Eine Schlüsselrolle
    bei der Entwicklung eines soliden und wettbewerbsfähigen EU-Regulierungsrahmens spielen, der finanzielle Stabilität, Belastbarkeit und Innovation mit neuen Produkten und Dienstleistungen fördert, um die Ziele der Kapitalmarktunion umzusetzen
  • Die Erweiterung
    der internationalen und geografischen Verteilung der hier ansässigen Finanzinstitutionen
  • Volle Ausschöpfung
    neuer und bevorstehender europaweiter Vorschriften für digitale oder aufkommende Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen
  • Anerkannter
    zentraler Standort für Europa-Renten-Produkte

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  • IM HERZEN EUROPAS

    Die Rolle Luxemburgs als grenzüberschreitendes Kompetenzzentrum und EU-Drehscheibe weiter ausbauen.

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  • Komplementär zu anderen EU-zentren

    Vertiefung der Rolle Luxemburgs als bevorzugtes Ziel für internationale Finanzen.

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  • Führend im nachhaltigkeitssektor

    Führende Rolle bei der Erhöhung des Gesamtvolumens der Mittel für nachhaltige Investitionen von Milliarden auf Trillionen von Euro.

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  • Förderung von Innovationen

    Bauen Sie auf Luxemburgs bewährter Erfolgsgeschichte der Produkt- und technologischen Innovation.

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  • Verantwortungsbewusste Unternehmensführung

    Fortsetzung des Aufbaus der luxemburgischen Finanzindustrie auf nachhaltigen Prinzipien bei der Besteuerung und Regulierung.

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  • Förderung der Menschlichen Dimension

    Unterstützung der weiteren Expansion der luxemburgischen Finanzindustrie.

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